Am 4 Februar war nicht nur Vollmond, es fand der jährliche Weltkrebstag statt-Anlass einmal darüber zu reflektieren wohin die Reise in der Tumormedizin geht. Was können neue Therapien bewirken und welche Rolle spielt eigentlich der Faktor Lebensstil in der Prävention von Tumorerkrankungen? Diesmal stand mein Mann, Univ. Prof Dr. Johannes Drach mir Rede und Antwort.

Was versprechen neue Therapien und was können sie tatsächlich halten?

Die Entwicklung in der Krebstherapie ist sicher die sogenannte „zielgerichtete Therapie“. Die bislang vorwiegend verwendete Chemotherapie ist deshalb sehr nebenwirkungsreich, da sie neben Tumorzellen auch viele gesunde Zellen und Gewebe beeinträchtigt. Dem gegenüber ist die zielgerichtete Krebstherapie gegen ein Merkmal gerichtet, welches ausschließlich oder zumindest in sehr hohen Maß an den bösartigen Zellen vorkommt. Damit steigert sich die Wirksamkeit der Behandlung und gleichzeitig sind die Nebenwirkungen viel geringer. Die Schwierigkeit besteht allerdings darin, dass für jede Krebsart ein geeignetes Merkmal gefunden werden muß, das diesen Kriterien entspricht und auch für eine medikamentöse Beeinflussung zugänglich ist.

Gibt es hierfür konkrete Beispiele?

Die erste zielgerichtete Therapie war die Einführung des Medikamentes Glivec zur Behandlung der chronisch myeloischen Leukämie (einer seltenen Form von Blutkrebs). Mittlerweile gibt es eine Reihe von therapeutischen Antikörpern

(Medikamente, die körpereigenen Abwehrstoffen nachgebaut wurden), typische Beispiele hierfür sind Herceptin in der Behandlung von Brustkrebs oder Mabthera in der Therapie von bestimmten Formen des Lymphdrüsenkrebs. Große Hoffnung setzt man heute in die Entwicklung von sogenannten Signaltransdutkionsinhibitoren – dabei werden wichtige Stoffwechselwege innerhalb der Krebszellen blockiert, welche diese Zellen für ihr Wachstum und Überleben benötigen.

Welche Rolle spielt der Faktor „Lifestyle“ in der Prävention von Krebserkrankungen?

Es wird in der Fachwelt aktuell heftig darüber diskutiert, wie hoch der Anteil der sogenannten Lebensstilfaktoren an der Entstehung von Krebs tatsächlich ist. Laut einer kürzlich publizierten amerikanischen Studie liegt die Ursache zu etwa 70% in der genetischen Information, andere Studiengruppen sehen diesen Anteil deutlich niedriger (Angaben liegen hier zwischen 30 und 50%). Diese Zahlen verdeutlichen jedenfalls, dass durch einen gesunden Lebensstil (kein Nikotin, ausreichend Bewegung, ausgewogene und gesunde Ernährung sowie nur geringe Mengen an Alkohol) ein erheblicher Beitrag zur Prävention von Krebserkrankungen geleistet wird. Dies ist der Beitrag, den jeder einzelne für sich selbst leisten kann – die Genetik kann man nicht beeinflussen. Gleichzeitig wirkt sich dieser Lebensstil auch positiv auf die Vermeidung von anderen sogenannten Zivilisationskrankheiten (z. B. Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen) aus.

Über diese positiven Effekte sind in diesem Blog regelmäßige Informationen zu finden.

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