Leider wird das Nordic Walken immer wieder belächelt und nicht wirklich als Sport wahrgenommen. Zugegeben: viele der Damen und Herren, welche mir im Park oder Prater entgegen kommen, tun tatsächlich nicht viel mehr als ihre Stöcke beim Spazieren über den Boden zu schleifen. Mit der richtigen Technik und Ausrüstung kann man allerdings wirklich sehr viel für seine Gesundheit und Ausdauerleistungsfähigkeit tun.Weil es einfach ist – gut tut und man doch ins Schwitzen kommt

Bis vor wenigen Jahren dachte auch ich : Nordic Walken? Eine Sportart? Für mich als begeisterte Läuferin und zuvor ebenso ambitionierte Mountainbikerin eher schwer vorstellbar.

In zwei meiner Ausbildungen waren Nordic Walking Einheiten verpflichtend zu besuchen, bei der Ausbildung zum Gesundheitstrainer hatten wir zusätzlich die Möglichkeit eine zertifizierte Trainerausbildung in dieser Sportart zu absolvieren – und: ich staunte nicht schlecht. Richtig ausgeführt spürt man doch Muskelgruppen, welche beim Laufen nicht angesteuert werden – zum Beispiel die Arme. Walkt man in hügeligem Gelände kann man ein ausgezeichnetes Intervalltraining absolvieren und kommt wirklich ins Schwitzen.

Durch das schnelle und rhythmische Gehen mit den Stöcken erreicht man eine ideales Ganzkörpertraining, bei dem auch die Rumpfmuskulatur gekräftigt wird. Beim Nordic Walken werden bis zu 90% der Muskulatur eingesetzt, zu dem ist diese Sportartsehr gelenkschonend und daher eine sehr lohnende Ausdauersportart als „Sporteinesteiger“, nach verletzungsbedingten Pausen oder bei Übergewicht. Das Walken kann aber auch sehr gut als „Einstiegssportart“ verwendet werden, um in weiterer Folge mit dem Laufen zu beginnen. Oder aber man bleibt dabei.- es werden mittlerweile zahlreiche Bewerbe für Nordic Walker ausgeschrieben. Und: oft als Pensionistensport belächelt (wobei: ist es nicht toll, wenn sich Pensionisten so fit fortbewegen), hat dieser Sport längst auch seine Anhänger bei jüngeren Personen gefunden.

Wer darüber lacht, der soll Nordic Walken erst einmal ausprobieren- ich verspreche, bei richtiger „Anwendung“ einen ordentlichen Muskelkater J

Nordic Walken kann wirklich das ganze Jahr über betrieben werden und genau wie beim Laufen oder Radfahren, ist es wunderschön, durch eine Sportart den Wechsel der Jahreszeiten hautnah miterleben zu können. Besonderen Spaß macht es natürlich zu zweit oder in der Gruppe zu Walken, ich finde es aber auch sehr schön, im stillen Einklang mit sich selbst die Natur zu erkunden.

Wie ihr sicher schon bemerkt hat, ich bin eine begeisterte Outdoorsportlerin, und als ich im Sommer des letzten Jahres aufgrund eines Knochenmarködems an der Lendenwirbelsäule ein achtwöchiges Sportverbot hatte, war ich wirklich am Boden zerstört. Sommer ohne Sport? Geradezu undenkbar für mich. Meine Physiotherapeutin, eine Meisterin ihres Fachgebiets, hatte dann eine wirklich zündende Idee, welche meinen Sommer gerettet hat. Nachdem ich als Nordic Walking Trainerin die Technik dieser Sportart schon sehr gut beherrschte, durfte ich (adaptiert an mein Krankheitsbild, mit kürzeren Stöcken und ohne Rotation der Wirbelsäule) walken und konnte so meine Lendenwirbelsäule entlasten. Man kann sich vorstellen.- ich bin Stunden über Stunden in der Lobau, im Wienerwald und sogar in der Türkei gewalkt. Ein guter Trainer/in und/ oder Physiotherapeut findet für jeden die richtige Variante um diese Sportart gesundheitswirksam ausüben zu können.

Nordic Walken eignet sich auch sehr gut, um als Läufer/in an der Grundlagenausdauer zu arbeiten.- durch ausgedehnte aber zügige Einheiten bleibt der Puls im Regeneration oder GAT 1 Bereich. Mir fallen diese Einheiten manchmal wesentlich leichter als das extrem langsame Laufen im Rahmen eines Long Jogs. Also liebe Laufkollegen/innen, hin und wieder könnt ihr auch die Stöcke ausführen 🙂

Walken mit Baby(bauch)

Nordic Walken ist eine sehr gute Alternative für werdende Mamas, welche sehr gerne laufen gehen, mit Fortschreiten der Schwangerschaft diese Sportart aber nicht mehr ausführen können. Vor kurzem habe ich einer lieben Freundin, Läuferin und gerade im Mutterschutz, die Technik des NW erklärt. Sie war erstaunt wie anstrengend Walken mit der richtiger Technik ist „ das spüre ich ja richtig in den Armen“ war ihr Statement nach einer Runde durch den Park. Seither walkt sie täglich eine Stunde mit Begeisterung und erkundet auch außerhalb Wiens die Umgebung „bestockt“. Hier lacht natürlich mein Trainerherz- was gibt es Schöneres als jemanden durch das Erlernen einer neuer Sportart glücklicher gemacht zu haben.Nach der Geburt kann dann mit Baby im Tragetuch weiter gewalkt werden- zahlreiche Kurse werden mittlerweile für frischgebackene Mamis angeboten – einfach einmal das www. erkunden(z.B. www.mamafit.at)

Wie immer: auf die richtige Technik kommt´s an

Nordic Walken ist im Prinzip sehr einfach zu erlernen.- wenn man den Bestmöglichen Nutzen aus dieser Sportart ziehen möchte, so sollte man sich aber die richtige Technik beibringen lassen. Die wichtigsten Punkte hierbei sind: – der Stockeinsatz (nicht zu weit vorne sondern unter dem Körperschwerpunkt),- das Schwingen der Arme (kommt aus der Schulter)- die Körperhaltung (leicht nach vorne gebeugt) – der kreuzkoordinierte Gang und eine korrekte Rhythmisierung der Bewegung. Unter der Kreuzkoordination versteht man die diagonale Verbindung des rechten Arms mit dem linken Bein (und natürlich umgekehrt). Bei jedem Fußaufsatz erfolgt gleichzeitig ein Stockaufsatz, dabei befinden sich die Arme und Beine in einer Kreuzkoordination. Dies führt zu einem rhythmischen Bewegungsablauf.

Die Schultern rotieren gegen die Hüftachse, dies führt zu einer leichten Verschraubung der Wirbelsäule.

In weiterer Folge sollte man sich auch noch die korrekte Handbewegung (Venenpumpe)während des Walken beibringen lassen.

Ich biete ein Nordic Walking Technik Training als Personal Training oder aber in einer Kleingruppe (maximal fünf Personen) an. Meist lernt man bereits nach einer Einheit (60 Minuten) die Grundzüge der richtigen Technik, in einer zweiten Einheit folgen dann neben einer Technikvertiefung einfache Kräftigung und Dehnübungen mit Hilfe der Stöcke- so wird in Zukunft eine Nordic Walking Einheit zu einem Ganzkörperprogramm!

Noch ein paar Worte zur AusrüstungWalking Stöcke JPG

Hier empfehle ich Stöcke der Firma LEKI zu kaufen, ich habe mit diesen bisher die besten Erfahrungen gemacht, das einfache Klicksystem erlaubt auch ein unkompliziertes Naseputzen oder Photographien während der Nordic Walkens. Sehr gute finde ich die dazu passenden Pads mit Spikes, welche man auch im Winter sowie auf Waldböden und Schotter verwenden kann.- die Pads müssen also nicht abgenommen werden;was ich persönlich als sehr praktisch empfinde.

Die Stocklänge ist abhängig von der Körpergröße: als Faustregel gilt hier: Körpergröße in cm multipliziert mit 0,66- bitte immer abrunden. Zusätzlich solltest Du Dich aber auch noch im Fachhandel beraten lassen, welche Stocklänge für Dich die Richtige ist.

Ich habe mir im letzten Jahr zusätzlich Reiseteleskopstöcke gekauft, diese sind wirklich so handlich, dass sie in jeden Koffer passen. (Im Bild zu sehen)

Ein weiterer Vorteil liegt für mich darin, dass ich meine Stocklänge je nach Gelände (flach oder hügelig) bezüglich der Länge variieren kann. Bedingt durch das Patent sind diese handlichen Stöcke jedoch etwas teurer als die feste Stocklänge.

Beim Walken benötigt man festes Schuhwerk: entweder Joggingschuhe , Trekking Schuhe oder aber Walkingschuhe.

Ich wünsche Euch einen bewegten Frühling- auf die Stöcke- fertig- los

Eure Béatrice